Die Ausstellung Entartete Kunst

Am 19. Juli 1937 wurde in den Münchner Hofgartenarkaden die Ausstellung Entartete Kunst eröffnet. Der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste, Adolf Ziegler, hatte dafür in einer ersten Beschlagnahmeaktion am 10.7.1937 zahlreiche Exponate aus öffentlichen Sammlungen konfisziert – insbesondere Werke des Expressionismus. Das Ausstellungskonzept sah vor, bei den Besucherinnen und Besuchern möglichst negative Gefühle auszulösen. Dazu hängte man die Werke dicht gedrängt in schlecht beleuchtete Räume und versah sie mit diffamierenden Überschriften. Neben den Werken aufgeführte Ankaufspreise sollten zudem auf die Verschwendung von Steuergeldern hinweisen. Nach dem Auftakt in München reiste die Ausstellung durch Deutschland, Österreich und die besetzten Gebiete. Die Exponate wurden oftmals ausgetauscht und als »international verwertbare Kunst« für Devisen verkauft oder gegen andere Werke eingetauscht. Lücken in der Ausstellung wurden durch Werke geschlossen, die in einer zweiten Beschlagnahmeaktion konfisziert worden waren. Eine Rückgabe an die Museen erfolgte nach der Ausstellungstournee nicht.

In der Sammlung der Kunsthalle Emden befinden sich zwei Werke, die 1937 in der Ausstellung Entartete Kunst gezeigt wurden. Knabe vor zwei stehenden und einem sitzenden Mädchen (1918/19) von Otto Mueller wurde im Auktionshaus Max Perl in Berlin zum ersten Mal von der Gestapo beschlagnahmt. 1935 hatte die Witwe des jüdischen Rechtsanwalts Dr. Ismar Littmann sich gezwungen gesehen, das Gemälde an das Auktionshaus zu verkaufen. Littmann war 1933 ein Berufsverbot erteilt worden. Der Verfolgungsdruck durch die Nationalsozialisten war so groß, dass er sich 1934 das Leben nahm. 1936 kam das Gemälde als Depositum in die Berliner Nationalgalerie, wo es im darauffolgenden Jahr erneut konfisziert wurde, um in der großangelegten Femeausstellung unter der diffamierenden Überschrift »Jüdische Wüstensehnsucht macht sich Luft – Der Neger* wird in Deutschland zum Rassenideal einer entarteten Kunst« gezeigt zu werden.

Das Männliche Bildnis (um 1920) von Hanns Ludwig Katz wurde in der ersten Beschlagnahmeaktion aus der Sammlung der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe entfernt. Unter der Überschrift »Offenbarung der jüdischen Rassenseele« wurde es neben Werken von Gert Wollheim, Marc Chagall und Ludwig Meidner diffamiert. Hanns Ludwig Katz war als einer von wenigen jüdischen Künstlern in der Femeausstellung vertreten. Die Bedrohungslage zwang Katz schließlich dazu, Deutschland zu verlassen und in Südafrika ins Exil zu gehen.

Von Otto Mueller wurden in München insgesamt 26 Arbeiten gezeigt, von Hanns Ludwig Katz eines. Neben vielen weiteren Künstlerinnen und Künstlern waren auch Oskar Kokoschka mit 16, Emil Nolde mit 39 Werken und Maria Caspar-Filser mit einem Werk vertreten. Werke von Otto Gleichmann und Franz Radziwill wurden bei anderen Ausstellungsstationen gezeigt.

* Zum Zweck der historischen Darstellung wird das Wort aus der Originalquelle zitiert. Es handelt sich um einen diskriminierenden Begriff, der aus der Zeit des Sklavenhandels und der Rassentheorie stammt. Eine Verwendung des Begriffs außerhalb einer historischen Originalquelle entspricht nicht der Haltung der Kunsthalle Emden.

 

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